Hautkrankheiten ganzheitlich heilen von Volker Mehl Teil 3

2.4 Die Körpergewebe (Dhatus)

Im Ayurveda wird davon ausgegangen, daß der Körper aus sieben Geweben (Dhatus) zusammengesetzt ist.

1. Plasmagewebe (Rasa)

2. Blut (Rakta)

3. Muskelgewebe (Mamsa)

4. Fettgewebe (Medas)

5. Knochen (Asthi)

6. Knochenmark und Hirnsubstanz/Nervengewebe (Majja)

7. Samen oder Fortpflanzungsgewebe (Shukra)

Die sieben Hauptgewebe des Körpers entstehen in einer festen Reihenfolge nacheinander. Es beginnt mit dem Blutplasma und geht weiter wie auf einer Treppe, Stufe für Stufe bis zum Fortpflanzungsgewebe. Als achte Stufe entsteht noch Ojas.

Es ist die wichtigste Energiereserve für den ganzen Körper. Wörtlich bedeutet Ojas Lebenskraft.

Ojas ist keine faßbare Substanz. Es ist das Mark unserer Lebensenergie. Es durchströmt den ganzen Körper und vermittelt Stabilität und Stütze. Seine Zerstörung führt zum Tod. Ojas kann gestärkt werden durch Nahrungsmittel und ayurvedische Kräutermedizin.

Ein Zitat aus der Charaka Samhita:

„Ojas wird aus der Essenz aller Körpergewebe gebildet, so wie Honig die Essenz der Blumen ist, welche die Bienen sammeln.“ (CS 30 Vers 7)

Im Verlauf der Gewebebildung entstehen sieben gewebespezifische Abfallstoffe, die diagnostisch für den ayurvedisch geprägten Heilpraktiker bedeutsam sind.

Bei Rasa > Schleim (Kapha)

Bei Rakta > Galle (Pitta)

Bei Mamsa > Sekrete der 9 Körperöffnungen (Augen, Nase, Ohren, Nabel, Anus, Penis/Vagina)

Bei Medas > Schweiß

Bei Asthi > Haare und Nägel

Bei Majja > der ölige Anteil des Stuhls, Augenflüssigkeiten

Bei Shukra > entsteht kein Abfall mehr

Nach ayurvedischer Sichtweise ist die regelmäßige Ausscheidung von Abfallprodukten ebenso wichtig wie die Ernährung. Nur wenn die dauernde Ausscheidung von grobstofflichen und feinstofflichen Bestandteilen gewährleistet ist , kann Gesundheit entstehen.

Zu den grobstofflichen Abfallprodukten zählen: Urin, Stuhl und Schweiß.

Die feinstofflichen Abfallprodukte sind Absonderungen der Hautschichten, der Augen, der Nase, des Mundes, der Ohren und der Geschlechtsorgane.

2.5 Das Kanalsystem des Körpers (Srotas)

Im Ayurveda wird davon ausgegangen, daß der menschliche Körper von vielen Kanälen durchzogen ist. Deren Aufgabe es ist, die verschiedenen Gewebe zu versorgen.
Bsp.: unser Blut fließt in Kanälen und wird durch den ganzen Körper transportiert. Ist der Mensch gesund, dann herrscht ein korrekter Durchfluß und Transport durch diese Kanäle vor. Ist der Mensch krank, dann kann es sich um einen Mangel, einen Überfluß, eine Blockade oder eine Leere in den Kanälen handeln. Die Untersuchung der Srotas gehört zu den wichtigsten diagnostischen Kriterien, mit denen Art und Stärke der Krankheit festgestellt wird.

Drei Srotas sind mit der äußeren Umgebung verbunden und versorgen den Körper mit Atem, Wasser und Nahrung.

Sieben weitere Srotas versorgen die sieben Körpergewebe.

Drei weitere Srotas befördern die Abfallprodukte des Organismus in die Außenwelt. Als Abfallprodukt des Atems gilt der Schweiß, als das der Nahrung der Stuhl und als das Abfallprodukt des Wassers der Urin.

Für die geistigen Funktionen gibt es ein besonderes System. Es steht in Verbindung mit dem Nervensystem und dem Fortpflanzungssystem.

2.6 Die Gunas

Es gibt auf der feinstofflichen Ebene drei Gunas. Die Gunas sind mentale Eigenschaften. Die drei Gunas sind Prinzipien des Geistes und haben den Zweck Aktivität und Erleuchtung zu fördern.

Sattva – Klarheit, Erkenntnis, Harmonie, Gleichgewicht, Stabilität, Toleranz,Mitgefühl

Rajas – Aktivität, Leidenschaft, kurzfristige positive Impulse.

Tamas – Trägheit, Unwissenheit, Selbsttäuschung, handeln wider besseres Wissen.

Merke: Die Gunas können nicht mit den Doshas gleichgesetzt werden.

Beispiel:
ein Kapha-Mensch kann sattvisch sein und ein Vata Mensch kann tamasisch sein. Ohne einen Anteil von Rajas könnten wir in dieser Welt gar nicht bestehen. Ein kurzfristiger positiver Impuls ist z.B. morgens aufstehen.

Im Ayurveda ist Sattva das Ziel. Dazu gehört sattvische Ernährung (vegetarisch) und ein sattvischer Lebensstil.

2.7 Verdauung und Stoffwechsel im Ayurveda

Verdauung und Stoffwechsel laufen in 3 Stufen ab. Hier finden wir das Verdauungsfeuer (Agni). Das Agni kann je nach Konstitution und je nach Gesundheit stark bis schwach sein.

Vata: schwankendes Verdauungsfeuer. Dies macht sich bemerkbar, daß sowohl Verstopfung als auch Durchfall im Wechsel vorhanden sein können.

Pitta: starkes Verdauungsfeuer. Diese Menschen haben oft mehrmals am Tag Stuhlgang.

Kapha: langsames Verdauungsfeuer. Diese Menschen haben einen trägen Stoffwechsel, verarbeiten das gegessene langsam. Einmal täglich Stuhlgang ist normal.

Agni ist dann optimal ausgeglichen, wenn die Doshas und die Gefühle im Gleichgewicht sind.

2.8 Die primäre Verdauung im Ayurveda nach Subhash Ranade

Im Ayurveda wird die Verdauung den Doshas zugeordnet und unterteilt.

1. Kapha-Anteil – Mund und Magen

2. Pitta-Anteil – Magen und Dünndarm

3. Vata-Anteil – Dickdarm

2.9 Die sekundäre Verdauung (Vipaka)

Die sekundäre Verdauung beschreibt in ihren drei Unterarten den Nährwert der Speisen für die Körperzellen.

1. Süßer Geschmack: sorgt für die Ernährung der Gewebe und sorgt für eine reibungslose Ausscheidung der Abfallprodukte. Er erhöht das Kaphadosha.

2. Saurer Geschmack: damit meint man alle organischen Säuren, die in Speisen enthalten sind. Sie tragen nichts zur Ernährung der Gewebe bei, sind aber wichtig für die freie Beweglichkeit der Ausscheidungsprodukte (Stuhl). Der saure Geschmack erhöht Pitta.

3. Scharfer Geschmack : alle Nahrungsmittel mit bitterem, scharfem und zusammenziehendem Geschmack. Sie sind z.B. hilfreich bei Durchfall. Keine Funktion für die Ernährung der Körpergewebe. Der scharfe Geschmack erhöht Vata.

2.10 Giftstoffe (Ama) als Ergebnis eines gestörten Stoffwechsels

Ama heißt wörtlich : „nicht ausreichend durch das Verdauungsfeuer verbrannt.“

Auch Ama hat Eigenschaften. Sie sind: kalt, schwer, feucht, dick, klebrig, trüb, Gärneigung.

Durch die Ernährungsgewohnheiten im Westen kann man davon ausgehen, daß die meisten Menschen Schlackenstoffe im Organismus haben. In Indien leitet man die Schlackenstoffe mit einer großen Reinigungskur (Pancha Karma Kur) aus. Damit wird auch vorbeugend (Präventiv) gearbeitet. Die Gesunderhaltung des Menschen steht an erster Stelle. Auch bei schon bestehenden Erkrankungen findet diese Kur erfolgreiche Anwendung. In Deutschland werden diese Kuren in unterschiedlicher Zeitdauer angeboten.

Allgemeine Symptome, die auf das Vorhandensein von Ama hinweisen:

Verdauungsstörungen

Mundgeruch

Dicker Zungenbelag

Auswurf von klebrigem Schleim, Appetitverlust

Geschmacksverlust

Aufgeblähter Bauch oder Brustkorb mit Druckschmerz

Schweregefühl

Müdigkeit

Kraftlosigkeit, Abstumpfen des Geistes und der Sinne

Ama -fördernde Faktoren:

Schwere und schleimbildende Nahrungsmittel

Tierische Produkte

Ölanwendungen

Starke Emotionen (auch Streß)

Überessen

Zu viel ungekochte Nahrung

Unregelmäßige Nahrungsaufnahme

Klimawechsel

Unterdrücken der natürlichen körperlichen Bedürfnisse

Verdorbene Nahrung

Genug für heute. Morgen geht’s weiter mit Teil 4.

Alles Liebe
Volker

Tags from the story
, , , , , ,
Written By
More from Volker Mehl

Heilkräuter Verzeichnis Teil 2

Ashwaghanda – Ausdauer und Regeneration Umgangssprachlich auch indischer Ginseng genannt, ist Ashwaghanda...
Read More

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.